Dental Magazin
Die aktuelle Ausgabe vom 30.01.2012

Das Dental Magazin ist als Verbraucher orientierte Fachzeitschrift das Forum für zahnärztliche Meinungsbildung. Neu im Redaktionskonzept ist die Art und Tiefe der Recherche, mit der das Redaktionsteam zahnmedizinische Top-Themen für den niedergelassenen Zahnarzt aufbereitet – nachgefragt bei allen beteiligten Seiten.

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Seien Sie zur Mitarbeit bereit!

Ich möchte die neuesten Materialien und Verfahren einsetzen, aber nur mit studiengeprüfter Langzeiterfahrung höchster wissenschaftlicher Evidenz.
Fortschritt lebt von neuen Methoden und Verfahren. In der Medizin muss jedoch jede neue Technologie und jedes neue Material vor seinem Einsatz in der täglichen Praxis nach den gesetzlichen Maßgaben des MPG geprüft werden. Nur dann darf es das begehrte CE-Zeichen tragen. In der Zulassungsprozedur werden klinische Studien gefordert, die im propagierten Indikationsgebiet den Nachweis über die klinische Unbedenklichkeit erbringen müssen.
Lieber Leser, haben Sie sich nicht auch einmal gefragt, wer diese vielen notwendigen Studien durchführt. In erster Linie wird man vermuten, dass dies eine vorrangige Aufgabe der universitären Zentren der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ist. Aber immer wieder wird die Kritik geäußert, dass diese Studien aufgrund der eng umrissenen Randbedingungen für eine gute Reproduzierbarkeit nicht die Probleme der täglichen Praxis widerspiegeln. Außerdem kann die universitäre Zahnmedizin die Vielzahl der notwendigen Studien im eigenen Haus auf Dauer nicht mehr stemmen. Mehr Untersucher müssen die Basis für solche Studien verbreitern.
So keimt in mir als Zahnarzt der Gedanke, dass ein Teil der klinischen Studien gerade in der niedergelassenen Praxis angesiedelt werden muss. Es sollte zu einer Kooperation zwischen Studienzentren, die die wissenschaftliche Methodik und Regie übernehmen, und niedergelassenen Kollegen kommen, die sich für diese Studien in temporären oder permanenten Praxisnetzwerken zusammenschließen. Wäre dies nicht auch eine Chance, den eigenen Fortschritt in unserem Fach als niedergelassener Zahnarzt mehr mitzugestalten? Es muss für die Studienleiter jedoch selbstverständlich sein, dass die Belastung für den einzelnen Kollegen und die einzelne Kollegin vor Ort so gering wie möglich gehalten wird. Denn nur so wird es auch möglich sein, sich neben den rigiden Bedingungen der Praxis an solchen Vorhaben zu beteiligen.
Unsere ärztlichen Kollegen machen uns bereits über viele Jahre vor, wie Arzneimittelprüfungen in der niedergelassenen Praxis organisiert werden. Seien Sie zur Mitarbeit bereit. Denn gerade wenn die Frage nach Alternativen zu bewährten Werkstoffen und Verfahren für die Basisversorgung gestellt wird, kann die Beantwortung der Frage nur in nächster Nähe zum Patienten und dem täglichen Praxisumfeld gelingen.
So ist dies heute aktuell, wenn ein Werkstoff wie das Amalgam unter Druck gerät, weil jenseits der Zahnmedizin Umweltaspekte die weitere Nutzung einschränken. Nehmen Sie den thematischen Schwerpunkt dieses Heftes zur Basisversorgung mit Füllungen. Welche tatsächlichen Alternativen haben wir? Warum gibt es Praxen, die kein Amalgam mehr einsetzen? Ist unter dieser Sichtweise eine bevölkerungsweite Basisversorgung noch zu garantieren? Können Komposite und moderne Glasionomere zumindest in einigen Indikationsbereichen diese Basisversorgung sichern? Es geht um nichts weniger als das Basisgeschäft des Zahnarztes.
Wenn das nächste Mal wieder ein Brief eines Studienleiters in Ihrer Praxis eintrifft, der ein Praxisnetzwerk für eine Fragestellung zusammenstellen möchte, geben Sie sich einen Ruck und prüfen Sie, ob Sie nicht doch die Möglichkeit sehen, sich an Anwendungsbeobachtungen zertifizierter Werkstoffe zu beteiligen. Werden Sie Teil eines Mechanismus, der die von Zahnärzten immer wieder verlangte stu‧diengeprüfte Langzeiterfahrung höchster wissenschaftlicher Evidenz produziert.

Ihr
Reiner Biffar
Prof. Dr. Reiner Biffar ist Direktor der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik, Alterszahnheilkunde und medizinische Werkstoffkunde der Universität Greifswald. Seit 2003 ist er Mitglied der Arzneimittelkommission der Bundeszahnärztekammer.


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