| EbM-Splitter Ausgabe 02/2004 |
Unter dem Begriff „Bestätigungstendenz“ versteht man die „Neigung von Menschen, ihre einmal getroffenen Annahmen stets selbst zu bestätigen. Dies geschieht durch Prozesse auf Seiten der Informationsaufnahme (Befunde werden einseitig wahrgenommen, und es wird vornehmlich nach stützenden Befunden gesucht) und der Informationsverarbeitung (Befunde werden einseitig bewertet und interpretiert), modifiziert durch Variablen der Situation und der Aufgabenstellung.“ [2]. Anfällige Situationen für die Bestätigungstendenz sind [2]:
• Zeitdruck;
• Vorliegen einer großen Informationsmenge;
• Bereitstellung der Information durch Experten (statt von Laien);
• Unmöglichkeit der Rücknahme einer getroffenen Entscheidung;
• Informationssuche ist mit finanziellen Kosten verbunden.
Der englische Philosoph Francis Bacon [1] wies bereits im Jahre 1620 auf diese Problematik hin, indem er feststellte:
„Hat der menschliche Verstand einmal eine Meinung angenommen, [...], so zieht er alles heran, um diese zu bestätigen und mit ihr zusammenzustimmen. Und selbst wenn sich für das Gegenteil mehr und weit bessere Beweise anbieten, so wird er diese mit großer und schädlicher Voreingenommenheit ignorieren, verdammen oder sie durch Spitzfindigkeiten als irrelevant betrachten, auf dass die Autorität seiner ersten Annahme ungeschmälert erhalten bleibe.“
In einem klassischen Experiment belegten Lord und Mitarbeiter dies auch wissenschaftlich: Menschen neigen dazu, Untersuchungen, deren Ergebnisse den eigenen Auffassungen entsprechen, ohne weitere Überprüfung zu akzeptieren, während Studien mit widersprechenden Befunden besonders kritisch auf Fehler hin überprüft und alternative Erklärungen für die Ergebnisse gesucht werden [5]. Wolf [7] spricht von einer „psychologische[n] Bereitschaft zur Selbsttäuschung“ und einer „Selbst-Immunisierung gegen Widerlegung“ [7]. Mit anderen Worten: „Die Bestätigungstendenz wird dadurch unterstützt, dass die Person das sieht, was sie sehen möchte.“ [2].
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