Verehrte Leser, liebe Geschäftspartner,
alle vier Jahre hält die WM die Welt in Atem – und jedes Mal scheint der Ball schneller zu rollen. Tatsächlich hat die Dynamik des Spiels so zugelegt, dass die Champions von 1974 um Franz Beckenbauer Probleme hätten, in der jetzigen Bundesliga zu bestehen. Undenkbar, dass „kleines, dickes Müller“, wie man Gerd Müller, den Bomber der Nation, damals liebevoll nannte, heute noch Muße genug hätte, in Ruhe den Ball anzunehmen, zu schauen, wo der gegnerische Torwart steht, und das alles mit unübersehbaren Speckröllchen. Torinstinkt und ein Riecher für den Ball reichen längst nicht mehr. Im Fußball wie in der ganzen Gesellschaft findet seit Langem eine ständige Beschleunigung statt. Und so wirkt die Bundesrepublik der siebziger Jahre aus heutiger Sicht wie ein behäbiges Slow-Motion-Land in einer Schneekugel.
Unser Leben spielt sich in einer blinkenden, piepsenden Umgebung ab, in der ständig und von allen Seiten Eindrücke auf uns prasseln: E-Mails, Klingeltöne, Pop-ups. Wer da den Schalter zum Abschalten nicht findet, dem droht der Kommunikationsoverkill. Und nicht erst seitdem manche Schrittmacher der globalisierten Vernetzung Fracksausen bekommen haben und die Aktienkurse purzeln, frage ich mich: Was ist eigentlich schiefgegangen? Wurden die Automaten nicht erfunden, damit wir alle weniger arbeiten müssen und mehr Zeit haben? Stattdessen verwalte ich auch noch mein Konto selbst und muss immer wieder die neuesten Versicherungs- und Handyangebote checken, wobei ich mich schon manchmal wehmütig an die Zeit der Einheitstarife der Deutschen Post erinnere, die mir das ersparte …
Klar, der Fortschritt hat große Vorteile, aber zumindest in der Freizeit reagieren immer mehr Menschen mit einer Rückkehr zur Langsamkeit. In dieser Sommerausgabe laden wir auch Sie ein, einen Gang runterzuschalten. Wir entführen Sie in einen magischen Park an den Niederrhein, wo sich die Besucher im Schneckentempo auf die Suche nach der verlorenen Zeit begeben können. Darüber hinaus haben wir für Sie ein Interview mit Dr. Barbara Knab geführt. Die bekannte Buchautorin hat uns unter anderem verraten, ob die menschliche Natur überhaupt multitaskingfähig ist. Und: Wir fragten die Manager der Dentalindustrie nach den Orten, wo sie zur Ruhe kommen.
Dies und mehr erwartet Sie in der neuen „takt d.“
Mit sommerlichen Grüßen
Herzlichst Ihre
Gerti Maria Keller
PS: Wissen Sie, woher der Name des Weltbeschleunigers Nummer 1 kommt, des Computers? Vom Rosenkranz! Vor rund 1000 Jahren nannten die Christen ihre Schnur zum Zählen der Gebete „Computum“, nach dem römischen Verb für rechnen „computare“. |
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takt d. |
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